Kugelsicher und federleicht – geht das?

„Das kugelsichere Federkleid“ haben wir das durchgehend vierfarbige Buch von Robert Allen und Kollegen genannt, das sich mit den vielfältigen Facetten der Bionik oder Biomimetik beschäftigt. Es hat soeben eine tolle Rezension im Wiener „Falter“ bekommen:

Zauberische Natur und praktischer Nutzen

Der Monsun mag toben, Kübel von Schmutz mögen sich über sie ergießen – die Lotusblume bleibt unbefleckt, wie von Zauberhand gereinigt. In indischen Mythen kommt ihr daher seit Jahrtausenden eine Schlüsselrolle zu. Buchstäblich perlt alles an ihr ab: Wasser rinnt nicht, sondern rollt in Tropfen herab. Die Tropfen nehmen den Staub mit, der auf der Oberfläche sitzt, weil sie mikroskopisch fein geraut ist. Ihr Zauber ist ungebrochen, auch wenn wir heute das molekulare Prinzip verstehen und nachahmen können. Die Disziplin, die das tut, nennt sich Biomimetik oder Bionik. Sie verwandelt die zauberischen Fähigkeiten der Natur in praktischen Nutzen, in diesem Fall profane Farben und Lacke, die sich selbst reinigen.
Unserer Bewunderung für die Natur tut das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Das Entzaubern wird zu einem Verzaubern auf neuer Stufe, aus trüber Sentimentalität wird wissendes Staunen. Wie das möglich ist, kann man kaum besser lesbar und anschaulicher bebildert erfahren als in diesem Buch. Wer hätte gedacht, dass Delphine sich alleine durch das Aussenden kürzester Laute und Verarbeiten der reflektierenden Schallwellen ein Bild von einem Objekt machen können? Die zweikanalige Rezeption und das Errechnen von Kombinationen verschiedener Frequenzen macht es möglich. Die Bioniker haben Mühe, diese Präzision nachzubauen.
Korallen sind nicht nur hoch ästhetische Objekte, sondern auch kleine chemische Fabriken, die Kalziumkarbonat erzeugen, ein extrem widerstandsfähiges, riss- und stoßfestes Material, das auch mit Hightech kaum übertroffen werden kann. Wer sich schon einmal gewundert hat, dass Bart- und Miesmuscheln sich wortwörtlich an Steinen „festkleben“ können, lag nicht weit von der Wahrheit entfernt: Die Muscheln haben keine Saugnäpfe, sondern produzieren aus Proteinen einen Klebstoff, der chemisch nicht besser hinzubekommen ist. Die Verbindung ist so reißfest wie eine Tiersehne, jedoch drei- bis fünfmal dehnbarer.
Jenen, die noch immer glauben, Wissenschaft und Technik seien Gegensätze zur Natur und nicht ein Weg zu ihr, sei dieses schöne Buch über noch schönere Dinge empfohlen.

Das freut uns natürlich (einen Blick ins Buch gibt’s hier).

(FW)

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